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Aufgebotsordnung von 1431 von Herzog Albrecht V.

1. Sechs Mitglieder der Stände übernehmen die höchsten militärischen Kommandos. Aus ihrer Mitte wählen sie einen obersten
Feldhauptmann, für welchen Posten Johann von Schaunberg, ein Oberösterreicher, oder Leopold von Krayg in Betracht zu
ziehen ist.
2. Die kräftigsten und wehrhaftesten Männer der bäuerlichen Bevölkerung Nieder- und Oberösterreichs sollen zum Kriegsdienst
eingezogen werden, wobei so zu verfahren ist, dass jeweils ein nicht selbst einrückende Bauern einen zehnten mit Waffen und
Proviant ausrüsten. Die ausgehobenen „Zehner“  werden zu Gruppen von zwanzig Mann zusammengefasst, die einem
Kriegswagen zuteilt sind. Die Wagen sind mit einer Deichsel und mit mindestens drei Längsbrettern versehen sein sowie mit
eine fünfzehn Schuh lange Kette mitführen, die an einem Ende mit einem Ring und am anderen mit einem eisernen Haken
versehen sind. Die Bespannung besteht aus vier Pferden.
3. Es ist bzu berücksichtigen, dass die südlich der Donau gelegenen Landesteile bisher vom Krieg nicht unmittelbar betroffen
wurden und daher eher in der Lage sind, die geforderten Männer, Pferde und Ausrüstungsgegenstände zu stellen,  als die
nördlichen Landesviertel Ober- und Niederösterreichs.
4. Waffen und Munition sind  von den Stellungspflichtigen zu beschaffen. Die zwanzigköpfige Wagenbesatzung soll neben dem
Fuhrmann aus drei Büchsenschützen, achte Armbrustschützen, vier mit Spießen und vier mit Drischeln bewaffneten Männern
bestehen. Jeder soll außerdem ein Schwert, ein Messer, einen Eisenhut, ein Paar Blechhandschuhe und einen Brustpanzer oder
eine „schießjoppen“ mitbringen.
5. Die daheim bleibenden Nachbarn eines eingerückten Bauern haben für diesen die Wirtschaft zu führen, seine Felder zu bestellen
und seine Ernte einzubringen.
6. Jeder Büchsenschütze soll mit einem Pfund Pulver und einem Pfund Bleikugeln nebst einem eisernen Ladestock und einem
Pulvermaß ausgerüstet sein. Jeder Armbrustschütze muss mindestens zahn Geschoße im Köcher haben.
7. Jede Wagenbesatzung untersteht einem Hauptmann, einer der zwanzig fungiert als Fuhrmann.
8. Jeder Wagen führt eine eiserne Ration an Brot, Käse, Speck und Rindfleisch sowie einen Eimer Wein mit. Dieser Vorrat wird
nur dann aufgezehrt, wenn es nichts zu kaufen oder zu requirieren gibt.
9. Jeder Mann erhält einen Sold von sechs Schilling pro Monat, wovon er sich unter Umständen verköstigen muss. Als
Zahlmeister fungiert der Hauptmann des Wagens.
10. Je zehn Wagen bilden eine Abteilung mit einem eigenen Hauptmann. Je fünfzig bzw. hundert Wagen bilden die nächstgrößeren
Abteilungen.
11. Die Stellungspflichtigen werden nach Herrschaften und Pfarren aufgeboten. Ihre Zahl wird in den meisten Fällen nicht glatt durch
zwanzig teilbar sein. Daher sollen diejenigen, die übriggeblieben, so zusammengefasst werden, dass sie volle Wagenbesatzungen
ergeben.
12. Dasselbe gilt für Herrschaften, die weniger als zahn Grundholden haben und daher für sich alleine keinen „zahnten Mann „
aufbieten können.
13. Die Herrschaftsbesitzer sind für die ordnungsgemäße Abwicklung der Rekrutierung verantwortlich und machen sich strafbar,
wenn sie taugliche Untertanen vom Wehrdienst zurück halten. Die Strafe beträgt für jeden nicht gestellten Mann 32 Pfund
Pfennig. Zwei Drittel der Strafsumme kassiert der Herzog, ein Drittel der oberste Hauptmann.
14. Ein Herrschaftsverwalter oder Amtmann, der die Zahl der kriegstauglichen Untertanen seines Herrn nicht richtig angibt, macht
sich ebenfalls strafbar. Die Strafe beträgt für jeden nicht gemeldeten Stellungspflichtigen 10 Pfund.
15. Die Pfarrer und die Amtsleute sollen die Durchführung der Rekrutierung in allen Landesvierteln überwachen.
16. Auch die Untertanen auswärtiger geistlicher und weltlicher Herrschaften unterliegen der Stellungspflicht.
17. Alle Ständemitglieder, die in der Lage sind, Kriegsdienst zu leisten, sind verpflichtet, einen Monat lang innerhalb und außerhalb
der Landesgrenzen im Felde zu dienen. Dauert der Feldzug länger, so muss ihnen der Herzog die Kosten ersetzen.
Diesbezüglich hat er ihnen ebensolche „Schadlosbriefe“ auszustellen, wie sie den Teilnehmern des Prager Feldzuges von 1420
ausgehändigt worden sind.
18. Der Herzog ist nicht berechtigt, die Lehen gefallener oder während des Feldzuges verstorbener Ständemitglieder, die keine
männlichen Nachkommen hinterließen, einzuziehen. Er hat diese vielmehr den Töchtern oder den nächsten Erbberechtigten zu
verleihen.
19. Ständemitglieder, die ohne triftigen Grund keinen Wehrdienst leisten wollen, können bestraft werden.
20. Vom Zeitpunkt des Erlassers der Aufgebotsordnung an, das ist der Samstag von Philipp und Jakob (28. April 1431), soll
allgemeiner Landfrieden herrschen. Alle Fehden unter Ständemitgliedern haben auf zu hören.
21. Beim Heer ist ein freier Markt mit Lebensmitteln einzurichten, wobei die freie Zufuhr von Lebensmitteln sichergestellt sein muss.
22. Die Herrschaftsbesitzer aus dem Prälaten-, dem Herren- und dem Ritterstande, aber auch alle Pfarrer und Bürger , die
bäuerliche Untertanen haben, sollen ihre ausgehobenen Wehrmänner möglichst persönlich zu den Sammelplätzen führen. Die
Stellungspflichtigen  aus den „unteren“ Landesvierteln sollen sich am Samstag nach Sonnwend (30. Juni 1431) bei Herzog
Albrecht in Laa an der Thaya einfinden. Die Männer aus den „oberen“ Landesvierteln Niederösterreichs sollen zu Johann von
Schaunberg und Reimprecht von Wallsee nach Eggenburg kommen, wo sich auch der Sammelplatz der Oberösterreicher
befindet.
23. Die Bereitstellung der Geschütze ist Sache des Herzogs.

Diese Wehrordnung trat 1431 in Kraft und wurde 1432 leicht modifiziert.

Literatur:

Wilhelm Erben, Zur Geschichte des österreichischen Kriegswesens im 15. Jahrhundert.
In: Mitteilungen des k.k. Heeresmuseums, Heft 2, Wien 1903, S. 1-29.

Franz Kurz, Österreichs Militärverfassung in älteren Zeiten, Linz 1825

Hiram Kümper, Regimen von der Wehrverfassung, Ein Kriegsmemorandum aus der Giessener Handschrift 996, zugleich ein Beitrag zur städtischen Militärgeschichte des 15. Jahrhunderts. Gießen 2005, S. 72

Silvia Petrin, Der österreichische Hussitenkrieg 1420-1434, Militärhistorische Schriftenreihe, Hrsg. HGM Wien, Heft 44

Eduard Wagner/Zoroslava Drobná/Jan Durdík, Tracht, Wehr und Waffen des späten Mittelalters (1350-1450), aus Bildquellen gesammelt, Prag 1957.

 

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