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In Wien werden so wie in allen mittelalterlichen Städten die Bürger zu Kriegsleistungen herangezogen. Zu den Pflichten eines Wiener Bürgers gehört die Teilnahme an Zirk und Wachdienst und die Leistungen zu Kriegsdiensten. Diese dient zur Stadtverteidigung und zur Wahrung derer Interessen. Dieser Dienst muss persönlich erfüllt werden, es kann aber auch Ersatz gestellt werden. Als Ergänzung und auch zur Entlastung der städtischen Handwerker und Händler, für die diese Pflicht doch sehr bald beschwerlich ist, werden ab dem 14. Jahrhundert immer mehr Söldner für Kriegsdienst in den Dienst der Stadt gestellt. Bemerkenswert ist dabei auch, dass die Wiener vor allem deutsche Söldner gegenüber den Böhmischen bevorzugen. Lediglich die Bewachung der Stadttore selbst und die inneren Ordnungsdienste bleiben weiterhin Bürgern vorbehalten. Ähnlich verhält es sich auch mit der Stadtverteidigung selbst. Daraus lassen sich drei Formen der städtischen Streitmacht unterscheiden: Bürgerwehr - Aufgebot - Söldner. Die Stadt Wien kann im 15. Jahrhundert daher ständig eine Streitmacht von bis zu 2000 Mann bestehend aus Fußvolk und Reiterei aufbieten. Als Einsatzgebiet der städtischen Streitmacht wird ein Privileg des Landesfürsten genannt das einen Umkreis von ca. 100 km festgelegt. Dies ist im Norden die Grenze nach Mähren, im Osten Ungarn und im Westen bis in die Wachau bzw. im Süden der Semmering. In Ausnahmefällen kann aber auch in einem Notfall vom Landesfürsten ein Aufgebot darüber hinaus gefordert werden. Derartige Ausnahmefälle sind auch wiederholt gegeben.

Die Bewaffnung der Bürger ist größtenteils Privateigentum und richtet sich nach dem Vermögen des Besitzers. Die Stadt selbst hat für Geschütze, Munition, Wagen und Zeltzeug sowie den Ersatz von Verlusten bei Gefechten zu sorgen. Dazu legt die Stadt stets einen gewissen Vorrat an Waffen an. Diese werden zum Großteil im sogenannten Zeugkasten, einem zentralen Depot der Stadt aber auch in verschiedenen anderen Baulichkeiten und am Boden des Rathauses verwahrt. Aus Aufzeichnungen des 15. Jahrhunderts ist ersichtlich, dass sich die Stadt den Erwerb von Bürgerrechten durch Waffen erlegen lässt. In den Jahresrechnungen der Kämmerer kann nachgelesen werden, dass neue Bürger anstatt der üblichen Taxen Waffen zur Verfügung stellen (Armbrüste und Hakenbüchsen). So verfügt die Stadt Wien in der 60er Jahren des 15. Jahrhunderts bereits über mehrer hundert Hakenbüchsen. Die Quellenlage gibt aber keinen brauchbaren Hinweis auf die Gesamtzahl der Geschütze, Es werden aber zumindest eine Hauptbüchse oder Bombarde sowie mehrer Feldgeschütze und Haubitzen und mehrere Terrasbüchsen genannt. Die Genannte Zahl von 66 Büchsen ist jedoch durch nichts glaubhaft belegt und scheint daher übertrieben. Zur Handhabung der Büchsen und Geschütze werden von der Stadt eigene Büchsenschützen und Büchsmeister angestellt, die auch für die Wartung dieser Waffen zuständig sind.

Die Ausrüstung des Wiener Bürgers oder Söldners im 15. Jahrhundert wird folgendermaßen benannt: Große Schilde (Tartschen), Eisenhüte, Bruststücke, Spieße und ab der Jahrhundertmitte auch Helmbarten, Armbrüste und Büchsen. Nur die vornehmste Adelskavallerie ist vollständig geharnischt. Die übrige Reiterei, rekrutiert aus dem besseren Bauernstand bzw. dem Kleinadel trägt für gewöhnlich nur Helm, Bruststück und Handschuhe über Ringelgeflecht, dazu Reiterlanze, Schwert und Streitkolben. Die Bürgerliche Wiener Streimacht ist in vier Viertel (Stuben-, Widmer-, Kärntner- und Schottenviertel) aufgeteilt die von einem vom Stadtrat ernannten Viertelsmeister befehligt werden. Das Oberkommando über alle Truppenteile hat der Bürgermeister oder ein dazu ernannter Stadtrat.


Literatur:

Studien zur Geschichte Wiens im Mittelalter; Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien; Wien 1979
Militärhistorische Schriftenreihe, Hrg. Heeresgeschichtliches Museum; Heft 28, Peter Csendes,
Wien in den Fehden der Jahre 1461-1463Wien im Mittelalter, 41. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 1975-1976
Das Wiener bürgerliche Zeughaus der Stadt, Gotik und Renaissance; Historisches Museum der Stadt Wien, Dritte Sonderausstellung Mai-September 1960

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