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Die einzige Überlieferung, die über mittelalterliche Kleiderordnungen aus Wien vorliegt ist auch nur eine Quelle aus zweiter Hand, da der Originaltext im 19. Jahrhundert verloren gegangen ist. In der Publikation „ Geschichte der Belagerung Wiens durch den König Mathias von Ungarn in den Jahren 1484-1485“, Wien 1805, herausgegeben von Anton Reichsritter von Geusau, findet sich im Anhang ab Seite 90 folgende Passage aus dem Gedenkbuch des Wiener Stadtmagistrats, die hier wie folgt zitiert wird:

Von der Kleidertracht des XV. Jahrhunderts.

In dem Gedenkbuch des Wiener Stadtmagistrats ist folgende Kleiderordnung enthalten:

Erstens: Ein jeder Bürger, welcher des Raths ist, oder Rath wird, oder des Raths gewesen ist, möge auf das höchste seine Kleidung mit Mader oder Zobel verbrämen, und auf dem Haupte einen Hut oder eine Haube mit Mader oder Zobel tragen dürfen. Er soll aber keine goldene Schnur, noch eine Schnur mit Perlen um das Haupt, noch Knöpfe und Perlen tragen.

Auch soll er kein seidenes Gewand tragen, ausgenommen Seidenzeug zu Joppen und zu Ermeln.

Alle Erbbürger und Kaufleute sollen auf das höchste ihre Kleider mit Mader, und auf dem Haupt ein Hütel mit Mader unterfüttert oder eine Haube mit Mader tragen. Es soll auch keiner über vier Mark Silber an seinem Leibe haben.

Alle Handwerker mögen auf das höchste tragen einen Hut oder eine Haube von Fuchs, Luchs oder Vorczeins; doch können sie auch haben Mader auf dem Haupt, und einen Maderbalg um den Hals. Sie sollen auch nichts von Seidenzeug tragen, ausgenommen zu Joppen und Ermeln, das soll seyn von allerlei Zendal oder Vorstat, und darunter und darüber nicht, er sey denn des Raths oder des Raths gewesen, derselbe mögen tragen eine Kleidung, wie es für den Rath verordnet ist. Auch soll ein solcher nicht über zwey Mark Silber an sich tragen.

Alle Diener und Knechte, Burgerdiener und Handwerkdiener (Gesellen) in was Wesen sie seyen, sollen weder etwas von Pelzwerk noch von Seiden tragen; auch soll ein solcher nicht über ein Mark Silber an sich haben, noch einen goldenen Ring; desgleichen soll ein solcher auch kein Gewand tragen, wozu die Ehle mehr als einen Gulden kostet. Doch mag ein Knecht tragen einen alten übertragenen Rock, den ihm sein Herr schenket.

Ferner soll kein Knecht einen Biberhut tragen, weder eine Haube, die theurer ist, als ein Pfund Wienerpfennige; eben so soll es den Dienern verbothen seyn, eine goldene Schnur, Perln oder perlene Buchstaben tragen.

Endlich sollen auch alle Burger und ihre Diener, alle Handwerker und ihre Diener nicht mehr gespitzte Schuhe tragen.

Ordnung der Frauen

Es soll keine Burgerinn einen goldreichen Zeug zu Ermeln oder Bruchstücken, noch zu Goller haben, doch dass der Werth desselben Zeugs nicht theurer sey, als die Ehle vier Gulden, auch soll keine Burgerinn sammetene, damastene Röcke oder Mäntel tragen.

Weder soll eine Frau Perln tragen, weder auf Röcken noch auf Mänteln noch auf Gollern, ausgenommen an den Ermeln mag eine ein Paar Linien haben von Perln, Gold oder Silber. Ist sie eine Burgerinn, so soll dieses aber nur acht Gulden, ist sie eine Handwerkerin, so soll es nur vier Gulden werth seyn, und darüber nicht. Auch soll weder eine Burgerinn noch eine Handwerkerinn auf den Brislen ein edles Gestein tragen.

Auch soll keine Burgerinn noch Handwerkerinn lauteres Gold, Perln oder Edelgestein an dem Gürtel tragen; weder soll eine Burgerinn auf Gürteln und an Geschmeid von Silber an ihr haben, da über vier Mark schwer sey, eine Handwerkerinn aber nicht über dritthalb Mark.

Es soll auch keine Zobl, Hermelin, noch Laßniczeins weder unter dem Rock, noch unter der Mänteln tragen auf keine Weise; aber zu Brämen kann sie Hermelin oder Laßniczeins haben, welche jedoch nicht breiter als drey Zwerchfinger breit seyn sollen. Auch soll keine mehr einen Flug tragen, die mit Hermelin unterzogen sind. Welche aber einen Flug tragen will, die mag ihn mit Seidenzeug, oder mit Vechwämchen oder mit Rehrücken unterziehen lassen.

Deßgleichen soll auch keine goldene Ringe an ihren Händen tragen, die über dreyßig Gulden werth sind. Doch mag eine ein Häftel tragen, das zwanzig Gulden werth sey aber nicht darüber. Auch soll keine Frau noch Dirne in der Stadt verbunden gehen, noch ein Hütl tragen, es sey denn, dass es regne, oder dass sie über Feld gehen will.

Es folgt noch die „Ordnung der Dirnen“, auf die hier nicht näher eingegangen wird.

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