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Frauenkleidung in Wien des 15. Jahrhunderts

Wie können wir uns die Kleidung einer gutbürgerlichen Wienerin um 1450 vorstellen??

Pfayd:

Das Untergewand besteht je nach Schicht aus Leinen, Barchent oder Seide. Die in den Wiener Testamenten verwendeten Begriffe sind vielfältig: echssellate phayt, echselate phait, echselphaitel, e(a)chsellayts phaitl , achselphait, phait mit hohem gollir.

Bruchstücke:

Dieses Bekleidungsstück wird in der Wiener Kleiderordnung erwähnt und in der Literatur als Damenhose bezeichnet. Bildquellen fehlen zu dieser Thematik. Vielleicht handelt es sich hier um die Bezeichnung für die Damenunterhose.

Rock:

Über dem Pfayd trägt die Frau den Rock. Das Oberteil ist nach wie vor sehr eng auf Figur geschnitten. Diese körperbetonte Linienführung kann durch den Viertelschnitt erreicht werden. Alle vier Nähte können knapp an den Leib geschneidert werden. Ab der Taille wird der Rock mit Hilfe zahlreicher Geren an den Seitennähten und an den Mittelnähten sehr weit ausgestellt . Zusätzliche Weite kann bei einem ausgestellten Schnitt des Mitteteiles erreicht werden. Das hat allerdings auch einen größeren Stoffverbrauch zur Folge.

Die Ärmeln können lang, kurz sein oder ganz fehlen. Wechselärmeln sind sehr beliebt, vor allem aus feinen Stoffen und können angenestelt oder angesteckt werden.

Zumeist hat der Rock einen Brustschlitz der entweder mit Knöpfen, Ösen oder Hafteln gerschlossen wird. Vereinzelt kann er auch im vorderen Bereich nach französischer/burgundischer Art geschnürt werden. Derartige Bildquellen sind für Österreich allerdings sehr spärlich und hauptsächlich im salzburgischen Raum zu finden.

Surcot oder auf wienerisch Suckl:

Über dem Rock tragen die Wiener Frauen einen sogenannten Suckl. Dabei handelt es sich wie auch schon bereits in den vorigen Jahrhunderten üblich um ein ärmelloses Überkleid. Dieses ist auch sehr körperbetont geschnitten. Mit Brustschlitz oder Schnürung im seitlichen Bereich.

Beide Gewänder können mit Borten verziert werden. Beliebt sind anscheinend, wie in der Wiener Kleiderordnung zu lesen ist, Goldborten oder Verzierungen mit Perlen.

Bei beiden Kleidungsstücken fällt auf, das die Ausschnitte sehr hochgeschlossen sind. Das steht im Gegensatz zu der sehr tief ausgeschnittenen und freizügigen französischen und burgundischen Mode.

Strümpfe:

Die Strümpfe sind ähnlich wie die Hosen der Männer sehr eng geschnitten mit angesetzten Füßlingen und knielang. Unter dem Knie werden sie mit einem Band gebunden.

Mantel:

Außer Haus trägt die Frau einen Mantel. Dieses Kleidungsstück wird in den Wiener Testamenten fast so häufig wie der Seidel vererbt. Die bevorzugten Farben sind Grau, Schwarz, Braun, Blau und er ist mit verschiedenen Fellen oder ab und zu auch mit Stoff gefüttert.

Schaube:

Die Schaube kommt in Österreich  erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts in Mode, wird aber bereits Anfang des 15. Jahrhunderts vereinzelt in den Wiener Testamenten genannt (schaube, schawbe).  Es handelt sich um einen bodenlangen Mantel mit Ärmeln, der mit Pelz oder Stoff gefüttert ist.

Seidel:

dieser Begriff kommt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sehr häufig in den Wiener Testamenten vor.  Er wird von Männern und Frauen getragen. Die vorherrschenden Farben sind grau, schwarz, grün und blau. Er wird mit verschiedenen Materialien gefüttert: Fell, Seide, Leinwand. Eine genaue Definition bzw. eine Identifikation mit einer bildlichen Quelle ist bis jetzt noch nicht gelungen.

Goller:

Der Goller wird in der überlieferten Wiener Kleiderordnung mehrfach erwähnt. Weitere Einträge dieses Begriffes finden sich vereinzelt in den Wiener Testementen.  Bei den textlichen Quellen ist es allerdings schwierig zu definieren, ob es sich um einen Teil der Kleidung oder um ein eigenständiges Kleidungsstück handelt. Bei den Anführungen in den Wiener Testamenten handelt es sich eher um Teile eines Kleidungsstückes bzw. um den Teil einer Rüstung. Bei dem braunen Kragen mit Knopfverschluß aus dem" Porträt einer Wienerin" vom Meister des Albrechtsaltares (Wien 1440) könnte es sich möglicherweise um den ersten bildlichen Beleg eines Gollers handeln.

Haube:

Außer Haus trägt die Frau eine Haube aus feinem Leinen und je nach Stand auch aus edlerem Material. Die meisten Abbildungen aus unserem Vergleichszeitraum zeigen einen langen Stoff, im vorderen Bereich manchmal gefältelt um den Hals geschlungen wird und vielfach auf dem Kopf zusammen gelegt und dort wahrscheinlich mit einer Nadel festgesteckt ist. Alternativ kann er auch nur lose um den Hals gelegt werden.

Auch der Schleier (sleyr, sloir), der am Gebende befestigt wird kann nach wie vor getragen werden.

In Ausnahmefällen, wie Regen, verwenden die Frauen auch Hüte (huet).

Gugel:

Diese Kopfbedeckung wird im österreichischen Raum anscheinend hauptsächlich von Männern getragen. Zahlreiche Belege in Altarbildern veranschaulichen die verschiedenen Trageweisen und die große Beliebtheit dieser Kopfbedeckung. Gugl tragende Frauen habe ich allerdings in unserem Zeitraum und unserer Gegend keine finden können. Sie werden wahrscheinlich nur zu Reisen als Wetterschutz verwendet und dienten nicht als Alltagsbekleidung.

Schuhe:

Die Schuhe werden nach wie vor wendegenäht, allerdings kamen schon aufgenähte Sohlen zum Tragen.Die Form der Schuhe ist um diese Zeit nicht mehr so spitz wie um 1400. Zum Schutz vor Unrat und anderen Schmutz werden wahrscheinlich auch Trippen verwendet.


 

Literatur:

Gertraud Hampl-Kallbrunner, Beiträge zur Geschichte der Kleiderordnungen mit besonderer Berücksichtigung Österreichs, Wien 1962

Das Leben in den Städten des Waldviertels im Mittelalter, Ausstellung, Waidhofen an der Taya 1978/79

Wien im Mittelalter, 41. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 1975/76

Peter Csendes/ Ferdinand Opll, Wien, Geschichte einer Stadt, Von den Anfängen bis zur ersten Türkenbelagerung, Wien 2001

Anton von Geusau, Geschichte der Belagerung Wiens durch den König Mathias von Hungarn in den Jahren 1484-1485“, Wien 1805

Johann Evangelist Schlager, Wiener Skizzen aus dem Mittelalter, 5 Bände, Wien 1835-1846

Lydia C. Eisenbart, Kleiderordnungen der deutschen Städte 1350-1700, Dissertation der Universität Göttingen 1962.

Harry Kühnel, Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung, Kröner Verlag

Wilhelm Brauneder, Gerhard Jaritz, Christian Neschwara, Die Wiener Stadtbücher 1395-1430, derzeit in 4 Bänden erschienen.

Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter. Das Beispiel der Kleidung. 3. Internationales Round Table Gespräch. Krems an der Donau 1986

E. Baum, Katalog des Museums mittelalterlicher Österreichischer Kunst im Belvedere, Band I. Wien und München 1971.

Paul Baur, Testament und Bürgschaft. Alltagsleben und Sachkultur im spätmittelalterlichen Konstanz. Sigmaringen 1989

Harry Kühnel (Hrsg.), Alltag im Spätmittelalter, Graz, Wien, Köln 1986

 

 

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