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Die Artillerie und das Büchsenwesen im ausgehenden Mittelalter

"Es ist ein grausam rasend Ding zu großem Verderben der Land und Leute, Instrumente erfinden und aufrichten, damit man Feuer, Stein, bleierne und eiserne Kugeln in die Leute, Mauern, Stadt und Türme mit erschrecklichem Hall und Donner wirft, bis man sie fälle..."
Zitat: Francesco Petrarca (ital. Dichter u. Geschichtsschreiber im 14. Jh.)

Geschichtliches – die Anfänge

Wer das Pulver erfunden und damit die Verwendung von Feuerwaffen möglich gemacht hat, ist nach wie vor ein Streitpunkt der Wissenschaft.

Der erste Beleg über das Auftreten von Feuerrohren im Kriegseinsatz stammt jedenfalls aus dem Jahre 1324 und zwar aus der Stadtchronik der Reichsstadt Metz. Dort wird berichtet dass der Stadtrat beabsichtigt die Stadtbefestigungen für neue Kriegsmaschinen einzurichten. Das Feuerwaffen auch tatsächlich angekauft wurden wird an von einem Chronisten berichtet, der über die Belagerung der Stadt Metz durch König Johann von Böhmen ein Jahr später schreibt und dabei auch zwei feuerschießende Geschütze eine Rolle gespielt hätten. In der Folge wird 1348 ebenfalls in Metz erwähnt, dass eigene Kanoniere und Bombardiere angestellt worden sein.

Auch die älteste in Österreich erhaltene Steinbüchse, die „Pumphard“ wird ca. 1350 erzeugt.

1376 setzen die Österreicher Kanonen im Krieg gegen die Venezianer ein und auch in Böhmen werden Kanonen schon 1373 erwähnt.

Anfang des 15. Jahrhundert bringen die Böhmen während der Hussitenkriege die Artillerie auf eine so hohe Entwicklungsstufe und verstehen sie so geschickt einzusetzen, dass sie noch Jahrhunderte danach nebst den Nürnbergern den Ruhm der besten Büchsenschützen genießen.

Die Ausstattung mit Feuerwaffen in Wien:

Feuerwaffen spielen auch in der Waffenausstattung der Stadt Wien im 15. Jahrhundert bereits eine große Rolle und so sind durch die beiden ältesten Zeughausinventare von 1444 und 1445 bereits 19 Geschütze, 5 Hakenbüchsen sowie 116 Handbüchsen belegt.

Auch ist durch Aufzeichnungen der Kämmerer überliefert, dass die Stadt in den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts bereits über mehrere hundert Hakenbüchsen sowie eine große Zahl von Geschützen verschiedenster Ausführungen verfügte.  Leider gibt es aufgrund der aktuellen Quellenlage keinen brauchbaren Hinweis auf die Gesamtzahl der vorhandenen Geschütze.  Es werden aber jedenfalls zumindest eine Hauptbüchse oder Bombarde (Steinbüchse) sowie diverse Feldgeschütze und mehrere sogenannte Tarrasbüchsen genannt.

Das Vorhandensein dieser großen Anzahl von Feuerwaffen ist aber durchaus als glaubhaft anzusehen, da es ab der Mitte des Jahrhunderts in Wien üblich war die Bürgerrechte durch die Beistellung von Waffen zu erkaufen. Diese Tatsache findet auch in den Büchern Erwähnung.

Zur Handhabung der Büchsen und Geschütze werden von der Stadt eigene Büchsenschützen und Büchsmeister angestellt, die auch für die Wartung dieser Waffen zuständig sind.

Geschützrohre  und Büchsen – Typen und Einsatzgebiete

Mitte des 15. Jahrhundert lassen sich die Geschütze nach der Art der Geschoße grob in Steinbüchsen und Lotbüchsen und nach dem Einsatzzweck in Belagerungsgeschütze, Festungsgeschütze, Feldgeschütze und Handbüchsen einteilen.

Eine weitere Unterteilung kann auch durch die Art wie die Geschoße verfeuert werden (indirekter oder direkter Beschuss) vorgenommen werden.

Dabei werden Geschütze die ihre Geschoße im hohen Bogen abfeuern, Bombarden (Pumphard) und die Geschütze die im direkten Schuss ihre Geschoße abfeuern, grob mit dem Begriff Büchsen zusammengefasst.

Als Beispiele für Bombarden in Wien sind uns heute noch die sogenannte „Pumphard von Steyr“ (ein Riesengeschütz) sowie mehrere kleinere Steinbüchsen im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien erhalten.

Ebenso sind dort mehrere Büchsen verschiedener Lafettierung sowie im Historischen Museum der Stadt Wien kleinkalibrige Büchsen mit geschmiedetem Rohr mit einer Radlafette unter der Bezeichnung „Tarrasbüchsen“ vorhanden.

Während Bombarden hauptsächlich als Legstücke (Rohre für den stationären Einsatz ohne fixer Lafette) in Form sogenannter Hauptbüchsen, Viertelsbüchsen oder Notbüchsen, Verwendung fanden, waren Büchsenrohre meist auf Lafetten verschiedenster Form montiert, die dann verschiedene Bezeichnungen, wie Bock-, Karren- oder Tarrasbüchsen bzw. bei Handfeuerwaffen, Stangen-, Haken- oder Faustbüchsen hatten.

Einige Erwähnungen von bekannte Waffentypen um 1432 in Wien:

Kammerbüchsen, Tarrasbüchsen (Daressenbüchsen), Klosserbüchsen, große Büchsen auf Scheiben, Rädelbüchsen, Büchsen in Lad gefasst, Büchsen an Stil gefasst, Hakenbüchsen, Handbüchsen usw.

Geschoße

Vom Geschoßmaterial können die Bezeichnungen „Steinbüchsen“ (Verwendung von behauenen Steinen) sowie „Lotbüchsen“ (Geschoße aus Blei bzw. Eisen) abgeleitet werden.

 



 

 

Literatur:

Rainer Leng, Strukturen der Gesellschaft im Mittelalter – Ein neuer Beruf im Mittelalter;
Rainer Leng, Anleitung Schießpulver zu bereiten, Büchsen zu laden und zu beschießen;
Anton Dolleczek; Geschichte der Österr. Artillerie von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart;
Wilhelm Hassenstein; Das Feuerwerkbuch von 1420;
Ausstellungkatalog des Historischen Museum der Stadt Wien, 1960; Das Wiener Bürgerliche Zeughaus in Gotik und Renaissance,

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