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Die 12 Büchsmeisterfragen

Die erste Frage, ob das Feuer den Stein aus der Büchse treibt oder der Dunst, den von dem Feuer ausgeht. Nun sprechen etliche, das Feuer habe die Kraft, den Stein zu treiben. Ich spreche aber: der Dunst hat die Kraft, den Stein zu treiben. Ein Beispiel: Nimm ein Pfund gutes Pulver und tu das in ein säumig Weinfass und verschließe es gut, kein Dunst davonkommen kann, denn aus dem Weidloch, mit dem du es anzünden willst. Und so es angezündet wird, so ist das Pulver unter der Hand verbrannt, und zerbricht der Dunst das Fass.

Die andere Frage, ob Salpeter oder Schwefel die Kraft hat, den Stein treiben zu lassen. Sprech ich: sie beide. Denn wenn das Pulver entzündet wird in der Büchse, so ist der Schwefel hitzig, und der Salpeter kalt, so dass die Hitze die Kälte nicht leiden mag, noch die Kälte die Hitze. Das sind zwei grundsätzliche Dinge. Also mag von ihnen jedwedes das andere nicht leiden, und ist doch eins das andere nichts nütze.

Die dritte Frage, ob wenig Pulver eher eine Büchse sprengt oder weiter schießt, als wenn man sie bis an den Klotz mit eingestoßenem Pulver füllt. Da sprech ich: wenn man die Büchse füllt bis an den Klotz, so mag das Feuer und der Dunst nicht genug Weite haben, den Schuss zu vollbringen, bis das Feuer einen Teil hinter sich ausgebrannt hat und der Dunst den Klotz herausschlägt. Ist aber die Büchse den Drittteil bis den vierten Teil geladen, so kann das Pulver im allgemeinen auf einmal verbrennen, und dann kann der Dunst seine Kraft vollbringen, und du schießest weiter, und die Büchse springt dann viel eher, wenn man sie füllt mit eingestoßenem Pulver bis an den Klotz.

Die vierte Frage, ob ein linder Klotz von Lindenholz den Stein besser treibt oder von hartem Holz wie von Eichen und Buchen, wie ihn viele Meister gebrauchen, und ob diese Klötze kurz oder lang, trocken oder grün sein sollen. Sprech ich: die harten Klötze sind nicht gut, weil sie zu hart sind und sich nicht zusammendrücken lassen und leicht aus dem Rohre gehen. Aber ein linder Klotz, eine gute Fingerbreite zu groß, lässt sich doch bis auf seine Stelle hineintreiben und hält den Dunst viel besser zurück als die harten Klötze. Ferner wie ein Klotz sein soll, und welche die besten sind.Ein jeglicher Klotz soll nicht länger sein, als er breit ist. Die besten Klötze, die man haben kann, die macht man von trockenem Pappelholz. Aber die besten grünen Klötze macht man von grünem Erlenholz, die allerbesten Klötze macht man aus Birkenholz, sobald der vom Stamme gehauen wird.

Die fünfte Frage, ob der Stein weiter fliegt, wenn er hart anliegt oder wenn er weich anliegt. Ich spreche: Je härter er anliegt, desto weiter fliegt er. Auch soll er so gut verschoppt sein, dass kein Dunst entweichen kann, so wird der Schuss stark und weit.

Die sechste Frage, ob die Pissen oder Speidel, womit man den Stein verpisst, von weichem oder von hartem Holz sein sollen. Sprech ich: welcher Stein richtig in die Büchse gehört, also dass er nicht mehr Weite hat, als er bedarf, um eng anzuliegen, sollst du ihn verpissen mit dünnen, harten Pissen von Eichenholz. Ist aber der Stein etwas zu klein, dass er nicht eng anliegen kann, so sollst du ihn verpissen mit Tannenpissen.

Die siebente Frage, ob die Pissen dick oder dünn sein sollen. Sprech ich: dass die Pissen von Tannenholz etliche dick und etliche dünn sein sollen, je nachdem ob der Stein Spiel hat oder eng in die Büchse anliegt. Aber wenn du den Stein damit verpisst, so sollst du die Pissen mit einem Schroteisen an dem Stein abhauen, damit die Pissen nicht vor dem Stein überstehen.

Die achte Frage, womit man den Stein verschoppen soll, damit der Dunst nicht entweichen kann. Sprech ich: nimm Wachs und wachse das Tuch damit und dreh es einfach zum einem Seil und schopp es mit einem guten Schoppeisen zwischen Stein und die Büchse auf die Pissen. So fliegt er weit. Und wisse: je besser der Stein verschoppt wird, um so weiter fliegt er.

Die neunte Frage, ob eine Büchse weiter schießt von einerlei Pulver oder von zweierlei. Sprech ich: sie schießt sehr viel weiter von zweierlei Pulver als von einerlei. Und wenn du die Büchse ladest und weit schießen willst, so sieh, dass du habest zweierlei Pulver, und tu das gute Pulver an den Boden und das schlechtere darauf, so schießest du weiter als mit einerlei, denn das tut die Gegensätzlichkeit beider Pulver.

Die zehnte Frage, ob der Stein den Klotz berühren soll, oder nicht. Sprech ich: Der Stein soll hart an den Klotz liegen. Du sollst den Klotz nehmen und ihn mit einem Tuch bewinden und sollst ihn unter deinen Augen brennen und zwar das Teil, das nach dem Stein hin liegt, damit es hart wird, und lade den Stein hart daran und verpiss und verschopp ihn gut, dass ihn der Dunst mannlich hinaustreiben muss.

Die elfte Frage, ob Knollen-Pulver besser sei zu tun in die Büchse als gerädenes Pulver. Sprech ich: dass zwei Pfund Knollen-Pulver mehr tun als drei Pfund gerädenes Pulver. Aber du sollst das Knollen-Pulver bereiten und machen, wie hernach geschrieben steht.

Die zwölfte Frage, einen wie schweren Stein ein Pfund Pulver mit seiner Kraft werfen kann und welches seine richtige Treibkraft ist. Sprech ich: eine Büchse sei groß oder klein, so soll allweg ein Pfund Pulver einen neunpfündigen Stein treiben. Ist aber der Stein leichter, dementsprechend viel geht auch dem Pulver ab.

Quelle:  Das Feuerwerkbuch von 1420


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